Unsere Ziele
Boize
Renaturierung
Pflanzenmahd
Fliessgewässerschutz
Boizenburg
Wasserrahmenrichtlinie
Pro Boize
Boizenburg
Boizenburg
Boizenburg
Boize bei Gallin Boize bei Schwartow
Vorwort vom 18.12.2014:
Einige dieser Ziele haben wir bereits erreicht !
Ich möchte aber den ursprĂŒnglichen Text von 2003 hier stehen lassen, da er zeigt was wir erreicht haben und was nicht. Ist ja auch ein schönes Zeitdokument !

Am 2. September 2003 hat Dr. Volker Thiele (öffentlich bestellter und vereidigter SachverstĂ€ndiger fĂŒr Naturschutz, Landschaftspflege und GewĂ€sserschutz beim Landwirtschaftsministerium), auf unsere Einladung hin ĂŒber den ökologischen Zustand der Boize in Boizenburg referiert.

Nachdem wir die gewonnenen Erkenntnisse aus dieser und anderen Veranstaltungen, sowie unsere eigenen Erfahrungen am GewĂ€sser ausgewertet haben, setzen wir folgende Ziele fest, an denen wir arbeiten wollen, bzw. deren DurchfĂŒhrung wir unterstĂŒtzen/vorantreiben wollen:


Der RĂŒckbau der Wehre und die Wiederherstellung des natĂŒrlichen Verlaufs im MĂŒndungsgebiet mĂŒssen endlich vorangetrieben werden. Hierzu existieren bereits etliche Gutachten und Machbarkeitsstudien, wovon jedoch noch immer nicht viel verwirklicht wurde.
Wanderfischarten, wie auch der Aal, haben an der Boize nach wie vor kaum Chancen.
Aber auch andere Fischarten unternehmen kurze Wanderungen zu Ihren Laichgebieten. Dies wird aber in der Boize durch zahlreiche Wehre und andere Hindernisse unterbunden. Die einzige bisher eingebaute Fischtreppe ist vollkommen untauglich, und besitzt höchstens eine Alibifunktion. Überhaupt sind Fischtreppen generell nur als Notlösung zu betrachten, da eine tatsĂ€chliche DurchgĂ€ngigkeit fĂŒr alle, auch niedere Wasserorganismen nie erreicht wird.
Besser ist der RĂŒckbau der Wehre und Ihre Umwandlung in von allen Fischarten passierbare Sohlgleiten.

Die DurchgĂ€ngigkeit der Boize durch RĂŒckbau der Hindernisse oder in AusnahmefĂ€llen Bau von geeigneten Aufstiegshilfen ist eins unserer wichtigsten Ziele.

Grundlage unserer Bestrebungen ist die EU-Wasserrahmenrichtlinie.

Nachtrag 1.12.2006: Beim RĂŒckbau der Wehre ist mittlerweile eine positive Entwicklung zu verzeichnen !
(Siehe Berichte)


Die Art der GewÀsserunterhaltung muss sich Àndern.
Es kann nicht sein, das rigoros SchilfgĂŒrtel an beiden Ufern weggemĂ€ht werden.
Ebenso sinnlos ist das wahllose AusmÀhen des Bachbettes.
"Untersuchungen belegen eindeutig, dass die grĂ¶ĂŸten Probleme mit Pflanzenwuchs in den kanalisierten, begradigten GewĂ€ssern mit regelmĂ€ĂŸiger Pflanzenmahd bestehen. Die geringsten Schwierigkeiten traten in den am schonendsten behandelten GewĂ€ssern auf. Die entstehenden Kosten verhalten sich entsprechend.
Ohne Kenntnis der jeweils vorherrschenden Pflanzenarten ist fast jede Arbeit am GewĂ€sser herausgeworfenes Geld. Klar ist vor allem, dass mĂ€ĂŸige Beschattung, z.B. durch den am Bach typischen Erlensaum oder - bruchwald, der beste Regulator gegen ĂŒbermĂ€ĂŸigen Pflanzenwuchs im Abflussquerschnitt ist."

.... Zitat aus "Lebendige BĂ€che und FlĂŒsse" von Bent Lauge Madsen & Ludwig Tent

Nebenbei gesagt, es ist die Rede von unserem Geld, welches hier verschwendet wird, um auch noch die Natur zu zerstören...

Unsere Forderungen zur Pflanzenmahd:

1. Pflanzenmahd nur einmal im Jahr, nicht vor Ende August (siehe BegrĂŒndungen)
Am besten sind die Monate September/Oktober zu wÀhlen, da ab November die Laichzeit der Salmoniden beginnt.

2. Der SchilfgĂŒrtel darf nicht angetastet werden !

3. Kein komplettes MĂ€hen des Bachgrundes von Ufer zu Ufer, sondern nur einseitig bis Mitte Stromstrich,
besser noch: AusmÀhen einer mÀandrierenden Strömungsrinne !

4. Herausnahme des MĂ€hgutes an Ort und Stelle, kein Abtreibenlassen !

5. Das MÀhgut darf nicht an den Ufern verbleiben, sondern muss spÀtestens 2 Tage nach der Mahd abtransportiert werden !

6. Bestimmte Pflanzenarten wie Laichkraut, Wasserhahnenfuß und Schwertlilie sowie andere geschĂŒtzte Arten mĂŒssen unangetastet bleiben !

7. An geeigneten Stellen sollte durch Anpflanzung von Erlen fĂŒr Beschattung gesorgt werden, damit ĂŒbermĂ€ĂŸiger Pflanzenwuchs gar nicht erst entsteht.

BegrĂŒndungen:

Zu 1: Die Zeiten, in denen die Fische im Bach laichen, sind besonders sensibel. Jede Störung zu diesen Zeiten wÀre mit grossem Schaden verbunden. Aber auch danach, wenn die Fischbrut noch klein ist und zwischen den Pflanzen Schutz sucht, ist insbesondere die Pflanzenmahd ein hoher Schadensfaktor.
Diese Phase erstreckt sich je nach Witterung bis in den August hinein.
Ohnehin wachsen bestimmte Pflanzenarten bei einer Mahd in den Sommermonaten so schnell nach, dass die Mahd zu diesem Zeitpunkt als uneffektiv bezeichnet werden muss.
Die Anzahl der MĂ€hungen sollte also auf einmal im Jahr begrenzt werden, auch deshalb, weil bestimmte Pflanzenarten um so mehr wachsen, je mehr sie gemĂ€ht werden. Langsamwachsende Pflanzenarten werden hierdurch nach und nach verdrĂ€ngt. Zum Schluss bleiben nur noch die schnellwachsenden Vallisnerien, die als Laichpflanzen und als Habitat fĂŒr FischnĂ€hrtiere nur geringen bis gar keinen Wert besitzen.

Siehe hierzu auch: Pflanzenwuchs Fotos

Zu 2: Wer hierfĂŒr eine BegrĂŒndung braucht der hat wahrscheinlich gar nicht bis hierher gelesen...
Nur soviel: Der SchilfgĂŒrtel ist so ziemlich das wichtigste fĂŒr den Bach, er erfĂŒllt Filterfunktionen, bietet Unterstand fĂŒr zahlreiche Tiere, und hilft den Bach im Sommer zu beschatten.

Zu 3: Ein kompletter Kahlschlag des Bachgrundes kann nicht im Sinne des Artenschutzes sein.
Welche Lebewesen sollen sich da noch im Bach halten können ? Im ĂŒbrigen sind wir der Meinung, dass gerade der beschleunigte Wasserabfluss durch das FreimĂ€hen des Bachbettes in Hochwassersituationen zu Problemen fĂŒhren kann. Das immer wieder angefĂŒhrte Argument, die Pflanzenmahd diene dem Hochwasserschutz ist m.E. absurd, da ein eventuelles Hochwasser der Boize durch die Begradigung und VergrĂ¶ĂŸerung des Abflussquerschnittes um so schneller in der Stadt Boizenburg ist.

Zu 4: Bisher liess man die abgemĂ€hten Pflanzenteile ĂŒber weite Strecken abtreiben, um sie dann z.B. am MĂŒhlenwehr in der Stadt mit dem Bagger herauszuholen. Ein großer Teil der Pflanzen gelangt aber gar nicht bis dorthin, sondern bleibt unterwegs irgendwo hĂ€ngen und verrottet im Bach. Dieser Verfaulungsprozess ist schĂ€dlich fĂŒr den Sauerstoffgehalt des Wassers, besonders bei hohen Temperaturen kann es kritisch werden. Außerdem wird der Bach hierdurch "gedĂŒngt" und das Pflanzenwachstum explodiert wieder, das Gegenteil von dem, was man mit der Mahd eigentlich erreichen wollte...
Und die entstehenden Faulstoffe verstopfen genau das Spaltensystem im Kies, das normalerweise strömungsliebenden Fisch- und Insektenarten als Kinderstube dient.

Zu 5: Bisher wurde an vielen Stellen das MĂ€hgut einfach am Ufer liegengelassen. Beim nĂ€chsten Regen wird die "Silage" der verrottenden Pflanzen dann in den Bach gespĂŒlt. Das wiederum fĂŒhrt kurzzeitig zu Sauerstoffmangel-Situationen bei Niedrigwasser und zur ÜberdĂŒngung. Der Pflanzenwuchs im Bach wird wieder beschleunigt und das Karussell dreht sich von neuem...
An den Ufern, wo die Pflanzen verrotten, wachsen hinterher nur noch vorzugsweise Brennnesseln.

Zu 6: Versteht sich eigentlich von selbst, die bisherige Praxis lehrt uns jedoch etwas anderes...
Vor dem Hintergrund, dass die Boize seit 19.08.2003 zum Landschaftsschutzgebiet erklÀrt wurde, bekommt dieser Punkt nun eine besondere Bedeutung !

Zu 7: Dies wird im Endeffekt die billigere und bessere Maßnahme sein, zugleich werden hierdurch die Ufer befestigt und LebensrĂ€ume geschaffen. Jedoch sollten die zu bepflanzenden Stellen sorgsam ausgewĂ€hlt werden. Dort wo der Bach noch renaturiert, z.B. eine MĂ€anderstruktur wiederhergestellt werden soll, wĂ€re eine solche Bepflanzung Fehl am Platze.

Weitere Informationen und Quellen hierzu: Siehe unter "Links"
sowie: Bericht Pflanzenmahd in der Boize


Wiederherstellung des natĂŒrlichen Bachlaufes

Dies ist ein Problem, welches sich wohl nie ganz lösen lassen wird.
Im Rahmen der Komplexmelioration wurde die Boize in den 70er Jahren begradigt und das Bachbett wurde tiefergelegt.
Das ursprĂŒngliche BachgefĂ€lle von etwa 9m von der Quelle bis zur MĂŒndung wurde auf etwa 1m reduziert. O-Ton Dr. Thiele: "Man hat der Boize damit das Genick gebrochen"
Zum Grossteil lĂ€sst sich dies auf Grund von Anliegerinteressen und Bebauung nicht wieder rĂŒckgĂ€ngig machen. Da sich die Wiederherstellung des natĂŒrlichen Bachlaufes nicht realisieren lassen wird, ist eine weitestgehende Wiederherstellung angestrebt, was in vielen Abschnitten noch möglich ist. Dies gilt besonders dort, wo noch kein FlĂ€chenausgleich stattgefunden hat. Hier wĂŒrde den anliegenden Landwirten der Zugang zu Ihren NutzflĂ€chen, die durch die Begradigung abgeschnitten wurden, sogar wieder erleichtert. Daher hoffen wir von dieser Seite auf UnterstĂŒtzung.


Ein wichtiger Punkt, der bei dem Vortrag von Herrn Dr. Thiele zur Sprache kam zum Schluss:
Die Boize fliesst in der NĂ€he von Zarrentin unter der A24 hindurch. Dort ereignete sich Mitte der 90er Jahre ein Unfall, bei dem ein Tanklastzug umkippte und eine große Menge Dieselkraftstoff in den Bach gelangte. Die Folgen fĂŒr das GewĂ€sser waren natĂŒrlich katastrophal: Die Fischfauna hat sich davon bis heute nicht erholt. Die BestĂ€nde einiger empfindlicher Arten wurden regelrecht ausradiert, Zuzug zur Erneuerung der BestĂ€nde nicht möglich, Ursachen siehe oben. So setzt sich der Fischbestand der Boize im Wesentlichen nur noch aus vier Fischarten zusammen.
Dies wĂ€re vermeidbar gewesen, wĂŒrde dort ein RegenrĂŒckhaltebecken mit Ölabscheidern existieren.
Leider wurde diese Maßnahme beim Bau der A24 nicht durchgefĂŒhrt. Das gilt auch fĂŒr alle anderen wichtigen BĂ€che in unserem Einzugsgebiet, die ebenfalls die A24 queren: Schaale, Schilde, Mothel, Sude... !!
Hier herrscht dringender Handlungsbedarf !
Alle Maßnahmen, die wir jetzt angehen, wĂŒrden durch einen weiteren Unfall dieser Art zunichtegemacht.

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